Skip to content

le panseur

Wer Klartext redet…

Menu
  • Texte
    • Sätze
    • Prosawolke
    • Unterwegs
  • Excerpte
    • Entdeckungen
    • Experimente
    • Expeditionen
  • A propos
    • Worum es geht
    • Wer wir sind
    • Auf der Suche
    • Datenschutz
Menu

Soukaina

Posted on 28. Dezember 202223. April 2023 by Michael Moleiro

Seit es im Islam den Hijab gibt, gibt es auch Frauen, die sich der Verschleierung widersetzen. Eine davon war Soukaina, die Urenkelin des Propheten Mohammed, die um das Jahr 49 (nach westlicher Zeitrechnung 671) geboren wurde. Sie soll eine „explosive Mischung aus körperlicher Anmut, scharfem Verstand und spitzer Zunge“1 gewesen sein. Von ihren Ehemännern liess sie sich nicht zum Gehorsam verpflichten, sprach ihnen (im Ehevertrag) das Recht auf Polygamie ab und brachte einige von ihnen wegen Untreue vor Gericht. Und sie liess sich von der Ehe nicht daran hindern, am politischen und kulturellen Leben teilzunehmen. Als Kind erlebte Soukaina, wie ihr Vater al-Husain ibn ʿAlī bei der Schlacht von Kerbela brutal getötet wurde.

Fatima Mernissi
Der politische Harem
4. Auflage, 1992
Verlag Herder

Die marokkanische Soziologin Fatima Mernissi forschte und lehrte seit 1974 an der Université Mohammed-V de Rabat.2 Sie beschäftigte sich intensiv mit der Situation der Frauen in der muslimischen Gesellschaft, insbesondere in Marokko. Bei einem Vortrag 1984 in Malaysia wurde sie von einem Pakistani der Lüge bezichtigt. Er behauptete, Soukaina wäre bereits im Kindesalter gestorben. Mernissi konnte durch zahlreiche Quellen belegen, dass Soukaina wahrscheinlich im Alter von 68 Jahren in Medina starb. Später stellte sich heraus, dass der Pakistani, der eine Zeitschrift herausgab, die vorgab „zu einer besseren Kenntnis der Arabischen Welt beizutragen, weder arabisch sprechen noch lesen konnte.“3 Mernissi starb 2015 in Rabat, aber ihre Bücher bieten immer noch einen interessanten Einblick in die arabische Welt. Wer sich für die gesellschaftliche Situation in Marokko interessiert, erfährt in ihrem Buch Geschlecht, Ideologie und Islam, was die Marokkanerinnen und Marokkaner in ihrem privaten Leben beschäftigt. Anhand von fünfzig Interviews und zahlreichen Hörerbriefen, die aus der Bevölkerung an eine Beratungsstelle eingegangen sind, geht Mernissi der Frage nach, wie sich die gesellschaftliche Situation in Marokko verändert hat. Obschon die Studie schon über fünfzig Jahre alt ist, sind die Beiträge immer noch lesenswert.

Fatima Mernissi
Geschlecht, Ideologie, Islam
4. Auflage, 1991
Verlag Antje Kunstmann

Soukaina ist noch heute in Marokko ein beliebter Mädchenname und auch eine der Protagonistinnen im Film Much Loved (2015) trägt diesen Namen. Der Film handelt von Noha, die sich, gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Randa und Soukaina, in den Nachtclubs von Marrakech prostituiert – sie braucht dringend Geld für ihren drogenabhängigen Bruder und ihre kranke Mutter. Im Koran steht im Vers 33 der Sure 24 zur Prostitution: „Und zwingt nicht eure Sklavinnen, wenn sie ein ehrbares Leben führen wollen, zur Prostitution… Wenn (jedoch) jemand sie (wirklich dazu) zwingt, ist Gott, nachdem dies (nun einmal) geschehen ist … barmherzig und bereit zu vergeben.“4 Alle drei träumen von einem besseren Leben. Im Film erscheint die Figur der Soukaina, gespielt von Halima Karaouane, eher ruhig und verletzlich. Der Film löste in Marokko eine heftige Debatte aus und wurde von den Behörden sofort verboten. Die Hauptdarstellerin, Loubna Abidar (Noha), wanderte, nachdem sie Todesdrohungen erhalten hatte und in Casablanca attakiert worden war, nach Frankreich aus.5

Kurzer Ausschnitt aus Much Loved mit
Soukaina (dunkle Haare), Noha (türkis gekleidet) und Randa.


1 Mernissi, Fatima. Der politische Harem (p. 257). Verlag Herder.

2 fr.wikipedia.org/..Mernissi

3 Mernissi, Fatima. Der politische Harem (p. 259). Verlag Herder.

4 corpuscoranicum.de/…sura/24/verse/33

5 en.wikipedia.org/wiki/Loubna_Abidar


Zurück

email_address

Urheberrecht
Haftung
Datenschutz
Impressum

instagram