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Wer Klartext redet…

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Se feliz na Austrália,
desde que lá se não vá.

»Man ist glücklich in Australien, sofern man nicht dorthin fährt.« Als ich erstmals nach Australien reiste, hatte ich noch nie etwas von Álvaro de Campos gehört, von dem der Titel dieses Beitrags stammt, notiert am 4. Juni 1931. Während meiner Australienreise hätte ich diesen Satz vermutlich nicht verstanden. Seit ich ihn verstehe, bin ich nicht mehr nach Australien gereist.

Von der East Perth railway station fuhr ich nach Kalgoorlie, ins Landesinnere. Während der rund siebenstündigen Fahrt entdeckte ich im Audiosystem des Zuges die britische Musikband Fleetwood Mac, die ich noch heute gerne höre. Die Stadt Kalgoorlie – in der Sprache der Aborigines: Platz der glänzenden Birnen1 – entstand in ihrer heutigen Form während des Westaustralischen Goldrausches (ab 1893)2 und noch heute wird dort im Super Pit, eine der grössten, offenen Goldminen Australiens, nach Gold gegraben.

Als die Goldgräber kamen, kamen bald auch ein paar Frauen in Goldgräberstimmung, und so entstanden mehrere Bordelle, die rund ein Jahrhundert lang, obschon illegal, von der Polizei geduldet wurden, nach dem Motto You do the right thing by them [police], they do the right thing by you3 (sic). Heute (oder zumindest bis vor kurzem) konnte das Questa Casa im Rahmen einer geführten Tour besichtigt werden, damit auch der artige Bürger mal sehen kann, wie es in einem solchen Hause zu und her geht, aus rein kulturellem Interesse freilich. Die pinken Türen der starting stalls wurden zum (inofiziellen) Wahrzeichen von Kalgoorlie. Heute gibt es im Wild West Saloon hin und wieder skimpies night (die Kellnerinnen servieren dann in Dessous, was für australische Verhältnisse eine äusserst aufregende Sache ist und immer wieder mal für landesweite Schlagzeilen sorgt). Am Morgen nach der skimpies night fuhr ich wieder nach Perth und flog wenige Tage später zurück in die Schweiz.

Jetzt, wo ich nicht mehr dort bin und nicht mehr drastische Bussen fürchten muss (für öffentliches Trinken, fürs Übernachten im Auto, für das Hinauswerfen eines Apfelkerns aus demselben, für versehentliches Vergessen, sich anzuschnallen, für unnötiges Hupen, etc.) – bin ich glücklich in Australien. Während ich das schreibe (in Lissabon) habe ich mindestens fünf Autos unnötig hupen gehört – und bin hier ebenfalls glücklich.


1 de.wikipedia.org/wiki/Kalgoorlie-Boulder



2 en.wikipedia.org/wiki/Western_Australian_gold_rushes



3 facebook.com/abcnews.au/…
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