Wie chinesische Schriftzeichen, deren Bedeutung ich nicht kenne, erscheinen mir manchmal meine Gefühle. Mit viel Phantasie lege ich mir eine mögliche Bedeutung zurecht, aber ich ahne, dass ich damit ihren eigentlichen Sinn nicht erfasse. So bleibt mir nichts übrig als mich an den kunstvollen Formen zu erfreuen und über die Bedeutung hinwegzusehen. Vielleicht ist in China die Schriftmalerei noch heute von grosser Bedeutung. So, wie ein Kalligraf, konzentriert und in sich versunken, seinen Pinsel über das Papier gleiten lässt, so sitze ich da und fühle meine Gefühle nach. Ohne Reue gebe ich es auf, sie verstehen zu wollen, und sehe ein, dass zuweilen gerade das Unverstandene den höchsten Genuss bereitet. Dass Aufgabe Befreiung ist. Erleichtert lehne ich mich zurück, schweige ohne zu verstummen, und überlasse mein Gehirn sich selbst.