An einem klaren Januartag betrat ich die Livraria Trindade Alfarrabista01 an der Rua do Alecrim, die von Cais do Sodré zum Praça Luís de Camões hochführt und unter der sich das kleine Konzertlokal Musicbox befindet. Ich erkundigte mich nach einem Buch von António Nobre. Sicher, sagte der Buchhändler, ging zu einem Regal hin und gab mir das Buch SÓ. Eine alte, leicht verblichene Ausgabe von 1955, die der Originalausgabe von 1892 ähnlich sieht. Das Buch gefiel mir sehr. Genau, was ich gesucht hatte, denn ich wollte herausfinden, was es mit diesem Buch auf sich hat, von dem Bernardo Soares behauptete, sein Livro do Desassossego werde es als traurigstes Buch Portugals ablösen.


1867 in Porto geboren, verbrachte António Nobre seine Kindheit im Norden Portugals, ging dann nach Coimbra, wo er am Jurastudium scheiterte. Er reiste nach Frankreich, Madeira, in die USA und zwei Mal in die Schweiz, wo er in Davos und im Grand Hôtel des Salines de Bex (Vaud) seine Tuberkulose behandeln liess, an der er bald darauf starb. Eine Woche vor seinem Tod, am 10. März 1900, notierte er, dass ihm der Esel von allen Tieren das sympathischste sei.03
Folgender Beitrag ist in zwei Abschnitte unterteilt: Übertragung des Gedichts O MEU CACHIMBO[04] und António Nobre und die Schweiz. Referenzen auf Quellen und Fussnoten, die in eckigen Klammern angegeben sind, können direkt im Text angeklickt und angezeigt werden.
O MEU CACHIMBO
So viel mir bekannt ist, wurde der Gedichtband SÓ – das einzige Buch, das zu Lebzeiten Nobres erschienen ist – nie ins Deutsche übertragen. Es ist Zeit, einen solchen Übertragungsversuch zu wagen. Dazu habe ich mehr oder weniger willkürlich das Gedicht O MEU CACHIMBO ausgewählt, das er im Alter von ungefähr 22 Jahren in Coimbra schrieb, vermutlich im Torre de Anto, wo er eine Zeitlang wohnte. Nur dort fühlte er sich wohl – allein (só).
Es handelt sich um eine freie Übertragung. Teilweise wurden Zeilen vertauscht, um den Wechselreim im Deutschen nachzubilden. Vereinzelt wurden Ausdrücke eigenwillig umgedeutet.
Meine Tabakpfeife
Meiner Pfeife! Meine Liebe ich leihe!
Du bist mein heiliges Turibulum!
Womit, Herr Abt, ich weihe
Die Abtei dessen, was ist um.
Rauch? Steigt auf in meiner Erinnerung
Die Zeit ist so sehr vergänglich,
Seitem ich rauchte, noch sehr jung,
Damit Vater nichts merkte, heimlich.
Wie ein grosses Kosmorama:
Sah ich wie mein Leben dahinschwand,
Menschengemacht, blasses Ermida,
Ein Kind, an der Ammes Hand.
Kein Pieps, keine Stimme zu hören,
Spätabends, wenn die Toten wachen,[10]
Schliesse ich meine Bücher und Türen
Um mit Dir allein zu sprechen.
Und aufspänt sich die Nacht,[11]
Im Turm von Anto, wo ich wohne!
Wie in einem Schacht,
Rauch und Rauchen, manchmal… weine.
Weinend (gedankenlos, bin verschwiegen)
Den Blick auf dem Boden verloren,
Wo sind meine Freunde geblieben?
Mein Freund ist, wer Treue geschworen…
Ich weiss nicht. Was den Nebel bringt…
Jene drei Vertrauten, die
Weder Tod noch Fremdheit bezwingt…
Habe mich verloren, kannte sie nie.
Nur ein wenig sterben. Dafür rufe ich
Ihn an, der mit den Gezeiten ist, Gott:
Und, des nachts, wenn es schläfert mich,
Geister, kommen, Schritt für Schritt…
Trauer, Sehnsucht nach dem letzten Gemach,
Tritt sie ein, lächle und spreche ich sie an.
Lasse sie sein in meinem Schlafgemach,
Bis man schreien hört den Hahn.
Weitere, von den fünf Ozeanen,
Für diese Welt verfehlt, womöglich:
Nie geschrieben, seit so vielen Jahren!
Was ist für Dich noch möglich?
Heute, Aufgabe ist eine Freude!
Lebe in Frieden, fern von Reife:[12]
Welk sind sie, meine Freunde,
Das Meer und Du, meine Tabakpfeife!
Ah! Wann plant man meine Beisetzung,
Wann werde ich endlich verreisen,[13]
Ich wollte als letzte Behausung,
Ein Sarg aus Mahagoni und Eisen.
Umsorgt von heiligen Frauen,
In deren Arme mich Schwäche ereilt,
Sollten sich öffnen meine Augen,
Immerhin! Ihr Antlitz mir bleibt:
Unter dem Kissen liegt allein,
Meine Tabakpfeife auserkoren
Und gestopft, gütiges Schwesterlein,
Mit Gold-Fly, für mich zum Rauchen…[14]
Wie man die Nacht verbringt, Getreue!
So nehme ich Dich mit mir dorthin,
Im Hotel da Cova ohne Reue?[15]
Wo ich vergessen werde, dass ich tot bin…
Coimbra, 1889.
static.publico.pt/poema/…
Die Übersetzungsfunktion des Browsers übersetzt Ihnen das Gedicht freilich ins Deutsche (falls Sie dem zustimmen). Man sieht dann leicht, worin der Unterschied zwischen Übersetzen und Übertragen besteht.
Bild von António Nobres Tabakpfeife:
porto.pt/pt/noticia/cachimbo…
António Nobre und die Schweiz
Folgende Ausführungen beziehen sich hauptsächlich auf drei Bücher, die ebenfalls aus der Livraria Trindade Alfarrabista stammen und die, soweit meine Recherchen ergaben, nicht im Onlinehandel erhältlich sind:



Am 18. September 1895 erreichte António Nobre, nach einer anstrengenden Reise in überfüllten Zügen, erstmals die Schweiz, um seine Tuberkulose behandeln zu lassen.[30] In einem Brief empfahl er seinem Bruder die Reiseroute von Porto nach Paris (mit dem Zug), wo man um 5:30 morgens im Gare Orléans ankommt. Von dort nimmt man einen Fiaker zum Gare de l’Est, wo ungefähr um 8:00 der Zug Richtung Schweiz abgeht. In Mulhouse, der Hauptstadt von Elsass-Lothringen[31], steigt man nachts in den Zug nach Bâle um, wo man (je nach Reiseklasse) die Reise sogleich fortsetzt, oder übernachtet und am nächsten Tag um 07:00 den Zug nach Zürich, Wiesen, bis nach Landquart nimmt, wo man um 14:00 oder 15:00 nachmittags eintrifft. Dort wechselt man auf die Bergbahn nach Davos-Platz.[32] Sein erster Eindruck von Davos war erschütternd: Tuberkulöse Menschen, wo man auch hinblickte. Am Sonntag, vier Tage später, schrieb er seinen ersten Brief aus der Schweiz an seinen Bruder Augusto, den wir hier in freier Übertragung auszugsweise wiedergeben.
Villa Bellevue Clavadel
22. September 1895Augusto:
Erst seit gestern Abend bin ich endlich einquartiert und finde somit etwas Ruhe, um Dir zu schreiben. Davos-Platz hat mir gar nicht gefallen. Der Anblick der Tuberkulösen und die stark durchmischte Gesellschaft, in der ich hätte leben müssen, wären, in Anbetracht meines momentanen geistigen Zustandes, entsetzlich gewesen. Zudem war die Küche ganz im deutschen Stil und es herrschte ständig ein „Schiffsgeruch“, ich weiss nicht, ob wegen der Desinfektionsmittel oder wegen des Holzes der „Villen“, jedenfalls wurde mir übel, wie an Bord [eines Schiffes], und ich konnte nichts mehr essen. Glücklicherweise empfahl mir Dr. Boelli, mit dem ich bereits in herzlicher Beziehung stehe, Clavadel, das noch nicht alle Welt kennt, und viel besser ist: es gibt nur 4 Häuser, wie in Seixo[34], eine halbe Stunde von Davos-Platz entfernt, zu Fuss, ausserdem hat es den Vorteil, dass es 104 Meter höher liegt und es weder Rauch von Fabriken[341] noch Ansteckungsgefahr gibt. Es geht mir sehr gut, hier … Ich zahle 5frs,50 pro Tag, alles inbegriffen ausser — Wein, blanchiseusse[35], Heizung, etc.
…
Davos-Platz, Davos-Dorff (sic) und Davos-Clavadel sind deshalb eine einzigartige Region, weil es nur wenige Leute gibt und, aufgrund der erhöhten Lage, oft die Sonne scheint. Mein Zimmer ist nach Osten ausgerichtet. Falls Dich in Portugal jemand um Auskunft bittet, sag nichts von Clavadel, ich möchte hier ungestört leben, ganz für mich, gerade in den ersten Tagen ist vollkommene Ruhe eine wichtige Voraussetzung zur Genesung, ohne viel zu sprechen und wenig Bewegung. Clavadel ist bewundernswert, auf einem Berg mit Kiefern[36] gelegen, wo es, neben drei Pensionen und einem weiteren Haus, nur Hütten der Dorfbewohner und Kühe gibt, die ständig läuten, denn nach Schweizer Brauch tragen sie eine Glocke um den Hals, die bei jeder kleinsten Bewegung läutet. Wenn ich nach Davos-Platz gehen will[37], wo ich oft spazieren gehen werde, brauche ich eine 1/2 Stunde zu Fuss, oder die Hälfte der Zeit mit der Postkutsche.
…
Der Postbote geht gleich los. In einem weiteren Brief werde ich Dir alles mitteilen, was mir der Arzt bereits gesagt hat und noch sagen wird. Falls irgendein Junge nach mir fragt, sag ihm, dass mich der Arzt vorläufig nicht viel schreiben lässt, sobald ich kann, werde ich schreiben. Insbesondere an Eduardo de Sousa. Adeus. Dein BruderAntónio
Nobre, António. CORRESPONDÊNCIA (p. 194).
In einem Brief vom 29. November 1895[38] beschreibt Nobre den Arzt Dr. Boelli als kahlköpfig, gross und hager, nicht viel mehr als ein Stock, hochqualifiziert, philosophisch und zerstreut, geboren in Polen, ausgebildet in Wien, nach Stationen in Zürich, Berlin und Paris, seit 30 Jahren als Arzt in Davos tätig. Bei seiner zweiten Konsultation bestätigte ihm Dr. Boelli, nach der Untersuchung des Sputums, dass er sich mit Tuberkulose-Bakterien infiziert hatte. Dies traf António Nobre hart, denn bisher hatte er sich stets eingebildet, er wäre höchstens anfällig für Tuberkulose, nicht aber tatsächlich infektiös. Dr. Boelli beruhigte ihn mit den Worten: „Il est plus que probable que vous serez guéri au printemps.“ Und gibt ihm den damals für Tuberkulosepatienten üblichen Rat: viel Ruhe und Appetit. Zu allem Überdruss musste Nobre im November auch noch einsehen, dass seine Romanze mit Margarida de Lucena endgültig gescheitert war.[39] Ihre Mutter, ebenfalls an Tuberkulose erkrankt und bereits im Sterbebett, entsetzte sich bei dem Gedanken, dass ihre Tochter im Begriff war, einen Mann zu heiraten, dem dasselbe Übel drohte.
Im Verlauf des Herbstes verschlechterte sich Nobres Zustand und Mitte Oktober erlitt er seine erste Hämoptyse. Er hustete Blut und brach zusammen. Dr. Boelli eilte herbei und munterte ihn erneut auf: Das sei genau das Richtige! Er könne sich selbst davon überzeugen, dass Patienten, die an Hämoptysen leiden, am leichtesten heilen, das würden die Krankenstatistiken eindeutig zeigen. Doch Nobre blieb pessimistisch, die ständige Isolation setzte ihm zu und er fürchtete um seine psychische Gesundheit, und so kam er zum Schluss, dass er Clavadel bald werde verlassen müssen. Neuerdings sehnte er sich nach der Gesellschaft, vor der er wenige Wochen zuvor geflüchtet war. Vielleicht, so dachte er, gab es in Davos-Platz sogar ein paar Portugiesen, in deren Mitte er sich wohler fühlen würde. Nach Absprache mit Dr. Boelli wurde Nobre wieder nach Davos-Platz verlegt. Es folgten weitere Hämoptysen und er begann sich allmählich mit der Tatsache abzufinden, dass er ernsthaft erkrankt war. Diese Einsicht verschaffte ihm ein wenig Erleichterung, aber so viel Selbstironie wie manche andere Patienten besass er nicht, die sich über ihr Schicksal amüsierten, indem sie die Strassen von Davos umbenannten: Boulevard der Tuberkulosekranken, Platz der Abszesse oder Bazillenstrasse. Tatsächlich verbesserte sich Nobres Zustand in Davos-Platz, er hörte Musik, ging spazieren, beteiligte sich am gesellschaftlichen Leben. Er bedauerte lediglich, dass er das Meer nicht sehen konnte. Er war zuversichtlich, dass er im April oder Mai geheilt sein würde, und falls nicht, so empfahl ihm ein französischer Forscher die Insel Teneriffa: Das warme Klima dort und die kräftige Küche würden ihm guttun, und ausserdem viel kostengünstiger als die Schweiz.[40]
Anfang Mai 1896 wurde Nobre in Davos entlassen. Bei der Abschlussuntersuchung versicherte ihm der berühmte Dr. Turban[401], dass sein Zustand nicht hoffnungslos sei. Doch Nobre war überzeugt davon, dass sein nervöser geistiger Zustand („Manchmal fühle ich mich dem Wahnsinn nahe“[41]) die Heilung der Tuberkulose verhinderte. Deshalb kontaktierte er einen Arzt am Grand Hôtel des Salines de Bex[411], der ihm von Dr. Boelli empfohlen worden war. Er plante, zwei oder drei Wochen in Bex zu verbringen, danach den Sommer auf dem Monte Estoril bei Lissabon. Als er Davos verliess, ahnte er nicht, was für eine schmerzhafte Reise ihm bevorstand. Mit der Bahn fuhr er nach Zürich, von dort weiter nach dem „originellen“ Luzern, wo er einen Blick auf den Vierwaldstättersee warf, dann weiter nach Bern. Dort gefiel ihm vor allem die mittelalterliche Altstadt. Seinem Freund Justino[42], den er noch aus seiner Zeit in Porto kannte, als er an der Rua Fresca an seinem ersten Buch Confissões[43] gearbeitet hatte, schrieb er von jahrhundertealten, kuriosen Brunnen mit farbigen Hampelmännern[44], von denen einer ein Kleinkind frisst.[45] Und erst der berühmte Weinkeller von Bern![46] In Bern leben möchte er zwar nicht, was er, ohne dafür Gründen zu nennen, für traurig hält, aber das alles im Vorbeigehen zu betrachten, war ihm sympathisch.

Via Lausanne, dem Lac Léman entlang, kam er nach St. Maurice, unweit von Bex, wo er ein paar Tage in einem Kloster verbrachte. Zu essen gab es „Sopa de chocolate“[47], geröstete Kartoffeln, Reis mit Eiern, Brot und Käse, dazu Weisswein und zum Dessert eine Zigarre. Mit den Mönchen unterhielt er sich unter anderem über den Marquis de Pombal[48]. Dann endlich, nach mehrtägiger Reise, erreichte er Bex, wo er ungefähr einen Monat lang blieb. Sein Zustand verschlechterte sich, körperlich wie psychisch, er hustete erneut Blut und wurde immer wie verzweifelter. Über seine Zeit in Bex ist nicht sehr viel bekannt, da er offenbar nicht in der Lage war, längere Briefe zu schreiben. Hin und wieder telegrafierte er an seine Familie in Portugal. Ein kurzer Brief vom 12. Juni 1896 an Justino ist überliefert, in dem Nobre seine Absicht äusserte, Bex möglichst bald zu verlassen: „Meine Einsamkeit hier ist immens… und immer Regen, Regen… Ich kann es kaum erwarten abzureisen.“[49] Auch der Gedanke, dass literarische Grössen wie Victor Hugo oder Alexandre Dumas[491] einst in Bex verweilt hatten, vermochte ihn nicht recht aufzumuntern. Gerade als er die letzten Zeilen des Briefes schrieb, verzogen sich die Regenwolken und gaben den Blick auf die Dents du Midi frei und Nobre konnte den Brief doch noch mit einer gewissen Zuversicht abschicken.


Am 18. Juni 1896 befand sich Nobre auf der Rückreise nach Portugal. Erste Station war Villeneuve, wo er das Château de Chillon besichtigte. Zwar wusste er, dass Lord Byron einst ein Gedicht[50] über das Schloss geschrieben hatte, aber gelesen hatte er es nie. Danach machte er einen kurzen Abstecher nach Genf, das er als starrsinnig[501] bezeichnete und wo es ihm gar nicht gefiel, auch weil dort gerade eine grosse Ausstellung[51] stattfand. Er kehrte nach Lausanne zurück und plante, mit der Messageries Martimes[52] von Bordeaux nach Lissabon zu fahren. In Bordeaux schrieb er in einem verzweifelten Brief an seinen Bruder: Willst du mit deinen Worten etwa andeuten, dass mir nur noch eines bleibt – sterben.[53] Tatsächlich reiste er dann, möglicherweise weil er nicht mehr genug Geld für das Schiffsbillett besass, von Bordeaux weiter nach San Sebastian und von dort mit der Bahn (3. Klasse) durch das „versengte“ Spanien, bis nach Pampilhosa, wo ihm endgültig das Geld ausging. Ein alter Bekannter, den er noch aus seiner Studienzeit in Coimbra kannte, lieh im Geld. Nobre liess seinen Koffer als Garantie zurück. Völlig ermüdet kam er endlich in Lissabon an.
Von September bis Dezember 1899 hielt sich Nobre ein zweites Mal in Davos auf. Diesmal reiste er mit dem Schiff nach London, dann via Paris weiter nach Arosa.[54] Dort behagte es ihm dermassen schlecht, dass er zwei Tage später nach Davos übersiedelte. Über diesen zweiten Aufenthalt in der Schweiz ist weniger bekannt. Es gibt ein kurzes Kapitel (fünf Seiten) in Vida e Obra de António Nobre und elf Briefe in CORRESPONDÊNCIA, in denen sein ständiges Schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung zum Ausdruck kommt, die aber sonst eher wenige „äussere“ Anhaltspunkte enthalten. Anfangs hoffte er noch, die neue Behandlungsmethode mit Formalina[55] würde ihm helfen, aber schon bald litt er zu stark unter den Nebenwirkungen. Sein Gesundheitszustand war inzwischen sehr schlecht. Am 27. November wog er noch 61,35kg und hatte ständig leichtes Fieber.[56] Nebst dem altbekannten Dr. Boelli, der ihn erneut behandelte, erwähnte er mehrmals einen Dr. Spengler.[57] Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um einen der Ärzte aus der Familie Spengler handelte. Alexander Spengler (1827-1901), nachdem er in Zürich studiert hatte, liess sich 1853 als Landschaftsarzt in Davos nieder, wo er sich für Tuberkulosetherapien zu interessieren begann.[58] Bis kurz vor seinem Tod war er in Davos als Arzt tätig. Aus seiner Ehe mit Elisabeth Ambühl gingen drei Töchter hervor, sowie die beiden Söhne Lucius und Carl, die ab 1887, resp. 1896, ebenfalls in Davos als leitende Ärzte arbeiteten.[59] Demnach müssten 1899 mindestens drei Ärzte namens Spengler in Davos tätig gewesen sein. Carl Spengler, grosser Fan vom Hockey Club Davos, stiftete 1923 den Spengler Cup.[60] Im Dezember mussten sogar Boelli und Spengler zugeben, dass es selbst in Davos wenig Heilungschancen für Nobre gab. António Nobre reiste zurück nach Portugal, wo er am 18. März 1900 in Carreiras starb.