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Linksverkehr

Posted on 11. Dezember 202217. Dezember 2022 by Michael Moleiro

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In einem fremden Land gilt es, die feinen Unterschiede im Verhalten der Menschen zu erkennen (z.B. im Vergleich zu den kulturellen Gepflogenheiten, die den eigenen Alltag üblicherweise bestimmen): Wie man herumsteht, mit verschränkten Armen irgendwo ruhig angelehnt oder freistehend, das Körpergewicht ständig von einem Fuss auf den anderen verlagernd; Wie man die Finger durch die Haare gleiten lässt, zielstrebig in einem Zug bis zu den Haarspitzen oder mit schlingernden Bewegungen das Haar auflockernd; Wie man eine Zigarette zwischen den Fingern hält; Wie man seine Sachen packt und das Gepäck trägt, schleppt oder hinter sich her schleift; Rhythmus der Atmung; Gangart, stampfend oder schlurfend; Lautstärke und Tonlage der Stimme (je nach Situation); Wie lange man zögert, bis man jemandem zu Hilfe eilt; Wie lange man jemanden auf der Strasse in die Augen schaut, bis man wegblickt; und so weiter und so fort… das alles sind, wenn auch eher belanglose, so doch bemerkenswerte Kleinigkeiten und man kann sich ein spielerisches Vergnügen daraus machen, sie zu beobachten, zu imitieren und so mit der Umgebung zu verschmilzen, gewissermassen unsichtbar zu werden, denn für den feinsinnigen Reisenden gibt es nichts schöneres als unsichtbar zu sein.

Entscheidender, da sie die Sicherheit betreffen, sind gewisse Eigenheiten beim Autofahren. In Portugal, nachdem die Ampel bereits auf rot gewechselt hat, fährt oft noch ein letztes Auto über die Kreuzung, dafür lassen sich die Portugiesen, wenn die Ampel wieder auf grün wechselt, ordentlich Zeit beim Anfahren (nicht aus Nachlässigkeit, denn es ist ja zu bedenken, dass womöglich noch ein letztes Auto vom Gegenverkehr über die Kreuzung braust). Die Franzosen, nachdem sie einen auf der Autobahn schleppend überholt haben, drängen direkt vor einem auf die rechte Spur zurück und gehen vom Gas – so bremsen sie einen aus. Den Deutschen erlaubt das Gesetz genau ein Mal zu lichthupen, wenn sie überholen wollen – und sie wollen ständig überholen. Die Amerikaner formen dicht gedrängte, durch die allgemeine Verbreitung des Tempomats synchronisierte Blechlawinen wie sie in Europa undenkbar sind – denn dort trauen die Menschen dem Tempomat nur auf offener Strecke, sobald sich erste Anzeichen von stockendem Verkehr bemerkbar machen, treten sie (vielleicht aus Wut oder Ungeduld) wie wild mit beiden Füssen auf den Pedalen herum und sorgen gerade so dafür, dass der Verkehr tatsächlich ins Stocken kommt. In Marokko gilt zuweilen Rechtsvortritt im Kreisverkehr und für den Unkundigen bleibt unklar, ob er zwei- oder dreispurig zu befahren ist. Sich auf diese Feinheiten einzustellen, kann schwieriger sein als sich im Linksverkehr zurechtzufinden (falls man Rechtsverkehr gewohnt ist), denn dieser Unterschied ist offensichtlich und muss nicht zuerst herausgespürt werden. Zudem gilt für Rechts- und Linksverkehr die gleiche Regel: Als Fahrerin oder Fahrer hat man sich immer an die Mittellinie zu halten (sofern man ein dem Verkehr entsprechend gelenktes Auto fährt).

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