Logik und Rationalität sind mir stets als unbrauchbare Instrumente für die Bewältigung des praktischen Lebens erschienen. Die ganze Zeit meines Erwachsenenlebens habe ich mich mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Verachtung daran erinnert, dass ich als Kind gern die Beine überkreuzte und mit den Füßen wackelte. Das war ein sehr persönliches Ritual, das mich von der Welt abgeschnitten hatte.
Logik und Rationalität sind mir stets als unbrauchbare Instrumente für die Bewältigung des praktischen Lebens erschienen. Wenn ich beispielsweise durch den Wald gehe und ein Rascheln im Unterholz höre, so wäre die einzig vernünftige Handlung, sofort nach meinem Karabiner zu greifen, ihn zu laden und das sich bewegende Wesen unverzüglich abzuknallen.
Als ich zwanzig Jahre alt war, lernte ich einen Mann kennen, der zu diesem Ritual anregte. Er hieß Frank und war Künstler. Er nahm mich mit in sein Atelier und zeigte mir, wie man ein Bild malt. Zuerst beobachtete ich ihn nur, aber bald machte ich es ihm nach. Ich hatte keine Ahnung, was ich da tat, aber es fühlte sich richtig an.
Warum? Weil diese Handlung, ähnlich einem mathematischen Axiom, von der Intuition unmittelbar als vernünftig und korrekt erkannt wird. Denke ich auch nur eine Sekunde nach, so stelle ich fest, dass ich nicht genau sehe, was sich bewegt.
Es stellte sich heraus, dass Frank ein sehr begabter Maler war. Seine Bilder wurden in Galerien ausgestellt und verkauft. Ich bewunderte ihn sehr und wollte so sein wie er. Eines Tages fragte er mich: Warum malst du eigentlich? Ich zuckte die Achseln und antwortete: Keine Ahnung.
So unbedeutend diese Feststellung auch sein mag, so zögere ich doch, den Abzug zu ziehen, denn es könnte sein, dass es sich um spielende Kinder handelt, und ich mag Kinder, so wie ich Katzen mag. Würde ich schiessen, so fielen die Kinder glattweg meiner Rationalität zum Opfer und ich der Justiz.
Frank lächelte und sagte: Das ist gut. Ich verstand nicht, was er meinte, aber ich spürte, dass es stimmte. Seitdem male ich jeden Tag. Es ist mein Lebenselixier. Logik und Rationalität sind für mich zweitrangig geworden. Ich vertraue meinem Gefühl und meiner Intuition.
Betrachten wir nun die Logik etwas genauer. Da die Prämissen, die uns das Leben offenbart, nur selten hinreichend bekannt sind oder sich sogar als falsch erweisen, sind die Bedingungen, unter denen man strikt logisch schlussfolgern kann, fast nie gegeben. Jedoch scheint mir ein Rascheln im Unterholz eine ziemlich klare Prämisse zu sein, vor allem wenn ich an die geheizte Logis und die warme Kost denke, die mir der Staat, schösse ich, offerieren würde.
Wenn ich ein Bild male, tue ich es, weil es sich richtig anfühlt. Ich denke nicht nach, ich handele einfach. Diese Haltung hat sich auch auf andere Bereiche meines Lebens übertragen. Inzwischen lebe ich seit vielen Jahren in einer Beziehung mit einer Frau, die ich sehr liebe.
Dieses Angebot auszuschlagen, wäre in der Tat unvernünftig. Entgegen allen guten Gründen greife ich nicht zum Karabiner und handle damit irrational, ziehe keine Schlussfolgerung aus der Prämisse. Würde man mich direkt in die Gefängniszelle stecken und in Ruhe lassen, so schösse ich, aber das wird man, aufgrund unserer inhumanen Justiz, nicht tun, man wird mich unentwegt behelligen, befragen, behandeln und schliesslich betäuben, und dieser ganze Ärger bleibt mir und allen Beteiligten erspart, weil ich irrational handle.
Auch hier habe ich keine Angst vor dem Scheitern, weil ich weiß, dass ich immer wieder aufstehen und weitermachen kann. Ich bin kein Philosoph, aber ich glaube, dass das Leben viel schöner ist, wenn man es mit Intuition und Gefühl lebt. Logik und Rationalität können einen Menschen in die Irre führen. Man sollte ihnen nicht zu viel Bedeutung beimessen.
Die Kinder spielen ungestört weiter, Juristen, Richter, Psychiater, und Gerichtsschreiber widmen sich wichtigeren Fällen und die Zelle bleibt für jemanden frei, der sie nötiger hat als ich und mich, mich lässt man in Frieden.